Wer als Lieferant regelmäßig Clearinglisten bearbeitet, kennt die Ausgangslage: zahlreiche Marktlokationen, unterschiedliche Abweichungen und begrenzte Zeit für die Klärung. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb häufig nicht darin, Klärfälle überhaupt zu erkennen. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Welche Fälle sollten zuerst bearbeitet werden?
Was passiert beim Lieferantenclearing?
Beim Lieferantenclearing werden die vom Netzbetreiber bilanzierten Marktlokationen mit dem Datenbestand des Lieferanten abgeglichen. Abweichungen werden dadurch sichtbar und können gezielt geprüft werden.
Im Rahmen der Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS) werden zwischen Netzbetreibern und Lieferanten unter anderem Lieferantensummenzeitreihen und Lieferantenclearinglisten ausgetauscht. Die Clearingliste ermöglicht dem Lieferanten diesen Abgleich.
Damit werden Abweichungen auf Ebene einzelner Marktlokationen sichtbar. Für den Lieferanten heißt das: Relevante Differenzen identifizieren, Ursachen prüfen und gegebenenfalls eine Klärung anstoßen.
Was regulatorisch als standardisierter Datenaustausch beschrieben ist, wird im operativen Alltag schnell zur Mengenfrage. Je nach Größe des Lieferportfolios müssen zahlreiche Marktlokationen und unterschiedliche Klärfälle gleichzeitig betrachtet werden.
Nicht jeder Klärfall hat die gleiche Relevanz
Die Anzahl der Klärfälle allein sagt wenig darüber aus, welche Abweichungen tatsächlich relevant sind.
Naheliegend wäre es, die vorhandenen Abweichungen einfach der Reihe nach abzuarbeiten. Für einen effizienten Clearingprozess ist das allerdings nicht unbedingt die sinnvollste Vorgehensweise.
Ein Bilanzierungsgebiet kann beispielsweise zahlreiche Klärfälle mit jeweils sehr kleinen Mengendifferenzen enthalten. In einem anderen Gebiet treten vielleicht nur wenige Fälle auf – dahinter stehen jedoch möglicherweise deutlich größere Mengenabweichungen.
Wer ausschließlich auf die Anzahl der Fälle schaut, behandelt beide Situationen zunächst gleich. Für die operative Priorisierung fehlt damit eine entscheidende Information: Wo steckt mengenmäßig die größte Abweichung?
Von der Clearingliste zur sinnvollen Arbeitsreihenfolge
Für die Priorisierung lohnt sich deshalb neben der Anzahl der Fälle vor allem der Blick auf die dahinterstehenden Mengenabweichungen.
Werden diese beispielsweise nach Bilanzierungsgebiet gebündelt, wird sichtbar, wo größere Differenzen liegen. Von dort aus können die auffälligen Bereiche bis auf einzelne Marktlokationen genauer betrachtet werden.
So lässt sich besser einschätzen, welche Klärfälle zuerst Aufmerksamkeit benötigen – statt die Clearinglisten jeweils Fall für Fall abzuarbeiten.
Priorisierung ersetzt nicht die Klärung
Eine solche Priorisierung löst die einzelnen Clearingfälle natürlich noch nicht. Sie hilft aber dabei, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen und relevante Abweichungen schneller in den Blick zu nehmen.
Gerade bei großen Lieferportfolios ist das entscheidend. Wenn nicht jeder Fall sofort geprüft werden kann, sollte zumindest transparent sein, welche Abweichungen zuerst betrachtet werden sollten.
Gleichzeitig kann eine strukturierte Auswertung dabei helfen, wiederkehrende Auffälligkeiten zu erkennen und nicht nur einzelne Fälle, sondern auch deren Ursachen stärker in den Blick zu nehmen.
Damit wird Lieferantenclearing von einer reinen Abarbeitung von Listen zu einem steuerbaren Prozess. Und manchmal ist genau dieser Perspektivwechsel entscheidend: Nicht die Frage „Wie viele Klärfälle haben wir?“ steht am Anfang, sondern „Welche Abweichungen sollten wir uns zuerst ansehen?“
Sie möchten mehr darüber erfahren, wie sich Abweichungen im Lieferantenclearing transparent darstellen und gezielt priorisieren lassen? Dann sprechen Sie uns gerne an. Wir geben Ihnen Einblick in unsere Herangehensweise und zeigen Ihnen, wie das in der Praxis aussehen kann.
