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Was WHO, Schuhindustrie und Stadtwerke verbindet

Was WHO, Schuhindustrie und Stadtwerke verbindet.

Zugegeben, dass mein Sohn seinen ersten Pokémon vor der Tür zu meinem Homeoffice fing, fand ich schon irritierend. Es nährte einen keineswegs abwegigen Verdacht: dass finstere Mächte mittels virtueller Tierchen mein Privatleben auszuspionieren versuchten. Warum hatte sich „Bisasam“ ausgerechnet bei mir eingenistet, auf einem ehemaligen Bauernhof, abseits vom Weltgeschehen?

Es gab ja viel Kritik an dem Spiel. Viele Firmen und Organisationen haben verboten, bei ihnen Pokémons zu jagen. Ein Bürgermeister einer 800-Seelen-Gemeinde im Süden Frankreichs machte Schlagzeilen, weil er die Benutzung der App im Ort pauschal untersagte. Die Medien sind voll von Geschichten über Personen, die sich bei der Pokémon-Jagd in Gefahr gebracht haben. So soll eine Gruppe Spieler beispielsweise ein seltenes Exemplar in einem militärischen Sperrgelände gefunden haben und in eine Übung mit scharfer Munition gestolpert sein. Etliche andere Spieler gerieten Presseberichten zufolge in Konflikt mit Hausbesitzern, die diese für Einbrecher hielten. Und in den USA soll ein Mann mitten auf dem Highway in voller Fahrt sein Auto gewendet haben, weil auf der anderen Straßenseite ein Pokémon saß.

Für die betroffenen Personen ist all das natürlich gefährlich und im Schadensfall bedauerlich. Aber was unterscheidet die neuen Bewegungsfreaks von Joggern und Bikern, die (gern mit Kopfhörern unterwegs) bisweilen ebenso stolpern, fallen und mit Gegenständen kollidieren? Eigentlich nichts ‒ bis auf den Umstand, dass über Letztgenannte so gut wie nie berichtet wird.

Das halte ich für unfair. Denn wenn man das große Ganze analysiert, kommt man zu überaus positiven Schlüssen: Pokémon GO ist das größte körperliche Fitnessprogramm der Menschheitsgeschichte. Rund 500 Millionen Personen wurden weltweit schon hinter ihrem Schreibtisch, vom Sofa oder sonstigen bequemen Orten hervorgeholt. Insbesondere Nerds tun etwas, was sie sonst komplett vernachlässigen: laufen, sich bewegen, frische Luft schnappen. Bin gespannt, ob die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich outet, die Entwicklung des Spiels in Auftrag gegeben zu haben.

Apropos Bewegungsdrang: Im Gegensatz zu Fitness-Trackern hat Pokémon GO keinen Schrittzähler. Welch ein Segen! Die kleinen Tyrannen am Handgelenk mit ihren Mindestschrittvorgaben bescheren ihren Trägern permanenten Leistungsstress und allzu oft ein schlechtes Gewissen. So kann das mit der Fitness nichts werden! Nur intrinsische Motivation ist nachhaltig, weiß die Wissenschaft. Wie auch bei Pokémon GO: Der Impuls, sich zu bewegen, wird aus einem uralten menschlichen Bedürfnis gespeist: dem Sammel- und Jagdtrieb.

Was WHO, Schuhindustrie und Stadtwerke verbindet.

Körperliche Aktivität ist übrigens nicht der einzige Nutzen des Spiels. Wenn man für jede Pokémon-Jagd konservativ 2.000 Schritte unterstellt, landet man beim Multiplizieren schnell im Multi-Billionen-Schritte-Bereich. Was die globale Laufleistung für das Schuhwerk bedeutet, leuchtet sogar Fantasiemuffeln ein: Abrieb ohne Ende! Pokémon GO ist also auch ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Schuhindustrie. Steckt sie insgeheim hinter dem Spiel?

Eigentlich soll ich an dieser Stelle ja im weitesten Sinne über Energieversorgung räsonieren. Was also verbindet Pokémon GO mit Strom, Gas und Wärme? Ganz einfach: Etliche Stadtwerke nutzen Pokémon GO als Kundenkontakt- und Kundenbindungsinstrument. Die Wuppertaler Stadtwerke, die Stadtwerke Gütersloh, die Stadtwerke Erfurt Gruppe oder die Stadtwerke Geesthacht – um nur einige Beispiele zu nennen – haben Aktionen durchgeführt, um selbst Pokémon-Jäger anzulocken. Da sage noch einer, unsere Energieversorger liefen den Trends hinterher!

Kritik an Pokémon? Halte ich für einen typischen Miesepeter-Reflex unserer Gesellschaft ... obwohl ich schon ganz gerne wüsste, was „Bisasam“ vor meinem Büro verloren hatte.

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