Von den Weltmeistern lernen

Glosse Von den Weltmeistern lernen Newsletter 09/2014

Nachdem die deutschen Fußballer Weltmeister geworden waren, wurde viel über ihre Erfolgsformel geschrieben - übrigens nicht nur in den Sportressorts. Auch viele Wirtschaftsredaktionen machten sich Gedanken, was man denn von den Kickern lernen könnte. Einige Schlagworte etwa aus dem Handelsblatt gefällig? „Das Team ist alles – aber ohne einen starken Chef funktioniert es nicht.“ „Der Kopf entscheidet, nicht der Bauch.“ „Think big – aber bleibe gelassen dabei.“ „Kreiere eine Marke und tue dann alles für sie.“ „Aus vorhandenen Ideen das Beste machen.“ „Keine Diven mitgenommen.“ Alles in allem eine beachtliche Ausbeute an mehr oder weniger selbstverständlichen Führungstipps.

Wirklich innovative Lerninhalte hingegen? Fehlanzeige. Dabei gibt es so viele nützliche und motivierende Anregungen! Zum Beispiel würde ich es begrüßen, wenn die ganze Belegschaft unserer Firma die Gelegenheit erhielte, Auftragserfolge in großer Runde ausgelassen zu bejubeln, gerne auch mit Spielerfrauen und -männern. Oder wie wäre es, sich am Ende des Arbeitstages innerhalb des Teams die Hand zu schütteln, sich gegenseitig zu beglückwünschen und zu bedanken? Das trägt zum Team-Building bei und wirkt motivationsfördernd. Trainingslager bzw. Meetings an exklusiven abgeschiedenen Orten samt Ausstattung bedürfen nach den Erfahrungen mit dem Campo Bahia sicherlich einer Neubewertung. Witzige Selfies aus dem Büro in den sozialen Medien etwa weisen das eigene Unternehmen als coolen Arbeitgeber aus. Man könnte es auch zur Pflicht machen, beim Einlaufen ins Büro unsere Kinder an die Hand zu nehmen, damit Sie rechtzeitig mit dem Berufsleben in Kontakt kommen. Und für das in Brasilien berühmt gewordene „Freistoß-Spray“ finden wir bei uns bestimmt auch noch eine sinnvolle Verwendung.

Natürlich darf nicht alles in die Firmenwelt transferiert werden, was die Fußballer uns vorgemacht haben. Ein gemeinsames Absingen der deutschen Nationalhymne zum Start in den Arbeitstag ist allein schon wegen der Gleitzeit nicht möglich. Ganz davon abgesehen, dass unser Team ja auch aus Mitgliedern besteht, deren Herkunft sie anderes Liedgut bevorzugen lässt. Auf einen Trikottausch nach einem langem Arbeitstag hätte ich zum Beispiel nicht unbedingt die größte Lust. Auch ist davor zu warnen, beim Kunden nach verweigerter Auftragserteilung aus Frust ins Foyer zu pinkeln. Schlicht unhöflich wäre es, den Fachpresseredakteur nach einer kritischen Frage mit „Wat wolln Se?“ anzublaffen. Schmähgesänge auf Wettbewerber à la „So gehn die Gauchos“ sollten – so gerne man sie manchmal anstimmen möchte – noch nicht mal im Verborgenen aufgeführt werden. Denn, auch das haben wir im Umfeld der WM gelernt: Eine Kamera ist heutzutage immer dabei und ruckzuck steht der Dreh im Netz. Dann folgt meist ein Shitstorm. Und mit virtuellem Schmutz beworfen zu werden, ist mit das Letzte, was wir uns wünschen. Denn den kann man – im Gegensatz zu realem Dreck –, wenn überhaupt, nur ganz, ganz schwer wieder abwaschen.

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