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Ein Stringentes Zeitreihenmanagement reduziert das Ausmaß der Fehlallokationen    

Anforderungen der KoV Gas V und praktische Lösungsansätze

Mit der neuen Kooperationsvereinbarung Gas V, die zum 1. Oktober 2012 in Kraft tritt, zieht der Gesetzgeber die Zügel für Verteilnetzbetreiber bei Allokation und Bilanzierung spürbar an.

Neu ist beispielsweise die verschärfte Netzkontenabrechnung. Mit diesem Instrument sollen vor allem die teilweise exorbitant hohen Regelenergiekosten gedrosselt werden. Optimierungsbedarf besteht insbesondere bei Standardlast-profilkunden, die vielfach noch nicht genügend genau prognostiziert werden. Diese Aufgabe ist vielschichtig, aber lösbar.

Als Handwerkszeug unverzichtbar ist ein IT-System, das eine präzise GeLi-Gas-Versorgungsklärung mit hoch automatisierten Prozessen und Auswertungsmöglichkeiten unterstützt. Eine zeitnahe und übersichtliche Kontrollfunktion versetzt den Netzbetreiber in die Lage, Fehlallokationen rasch und zielstrebig auf den Grund zu gehen.

Die Kooperationsvereinbarung Gas bleibt auch nach Veröffentlichung der fünften Auflage (KoV Gas V) am 1. Juli 2012 Gegenstand lebhafter Fachdebatten. Stand der Diskurs über die KoV Gas IV 2011 im Zeichen von Kritik an hochkomplexen und in viel zu kurzer Zeit umzusetzenden Prozessen sowie von zahlreichen Ausnahmeregelungen, fokussiert sich der Blick bei der KoV Gas V auf die Verteilnetzbetreiber. Bei kritischer Würdigung der weiterentwickelten Kooperationsvereinbarung ist festzustellen, dass sie auf jüngste Fehlentwicklungen im Markt reagiert, ohne die beklagten Konstruktionsdefizite der KoV IV zu heilen, obwohl diese die aktuellen Probleme zum Teil mit verursacht haben. So wirkt die KoV Gas V vor allem als ein Instrument, mit dem Gesetzgeber und Bundesnetzagentur die Verteilnetzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen, insbesondere das Problem des zeitweise exorbitant hohen Regelenergiebedarfs zu entschärfen. Zum 1. Oktober 2012 treten die neuen Regelungen in Kraft.

Was beinhaltet die KoV Gas V? Noch während die KoV IV aktiv war, wurden weitere Anpassungen in der Praxis umgesetzt, die in der neuen KoV nun auch de jure glattgezogen werden. Das betrifft beispielsweise die Abschaffung der 5-%-RLM-Toleranzgrenze, die Einführung des Entgeltes am virtuellen Handelspunkt und die Übertragung von Biogas-Flexibilitäten auf andere Bilanzkreise. Des Weiteren erfolgten Klarstellungen z. B. hinsichtlich Fallgruppenwechsel, Veröffentlichungspflicht des Netzbetreibers zum Bilanzierungsbrennwert und Einzelmeldungen zu Zeitreihen an einzelnen Netzkoppelpunkten. Tatsächlich neu ist u. a. die Absenkung des Clearing-Grenzwertes von 25 MWh auf 5 MWh je Bilanzkreis und Monat. Das heißt, Bilanzkreisverantwortliche können das Clearing früher anstoßen, wenn sie feststellen, dass der Netzbetreiber möglicherweise nicht richtig allokiert hat. Andererseits sind Regelungen entfallen, wie z. B. das Ampelsystem mit der Ermittlung der Netzkontensalden 3, 4 und 5. Im Folgenden werden die beiden wesentlichen Neuerungen beleuchtet: Änderung der Biogas-Allokation und Netzkontoabrechnung.

Mehr-/Mindermengenabrechnung bei der Biogas-Bilanzierung

Eine wesentliche Neuerung, die allerdings erst zum 1. Januar 2013 in Kraft tritt, ist die Abschaffung der Mehr-/Mindermengenabrechnung bei der Biogas-Bilanzierung im RLM-Bereich. Betroffen sind Bilanzkreise für Kunden, die ausschließlich mit Biogas beliefert werden. Der Netzbetreiber allokiert hier täglich - wie auch sonst üblich - mit dem Bilanzierungsbrennwert. Die korrigierte Allokation am zwölften Werktag nach Liefermonat muss mit dem Abrechnungsbrennwert des Biogases erfolgen. Wenn man so will, handelt es sich bei reinen Biogas-Bilanzkreisen um eine vorgezogene Mehr-/Mindermengen-Abrechnung, die bei allen anderen RLM-Entnahmestellen erst nach drei Monaten erfolgt.

Verschärfung der Netzkontenabrechnung

Die zentrale Neuerung, die alle Ausspeisenetzbetreiber betrifft und als besonders unangenehm empfunden wird, ist die Verschärfung der Netzkontenabrechnung. Seit Einführung von GABi Gas im Oktober 2008 müssen die Marktgebietsverantwortlichen für jeden Netzbetreiber ein Netzkonto je Marktgebiet und Gasqualität führen. Das sogenannte Netzkonto 0 ist die Gegenüberstellung der allokierten Ausspeisungen und tatsächlichen Einspeisungen der Verteilnetze. Abweichungen entstehen systembedingt durch RLM-Mehr-/ Mindermengen aus der Brennwertkorrektur und durch SLP-Mehr-/ Mindermengen nach Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchs nach der Ablesung. Die Marktgebietsverantwortlichen ermitteln täglich vorläufig und monatlich endgültig den Saldo des Netzkontos 0, den die Netzbetreiber per IMBNOT-Nachricht mitgeteilt bekommen. Abgerechnet wird das Netzkonto allerdings nicht täglich, wie die Bundesnetzagentur ursprünglich vorgeschlagen hatte, sondern monatlich. Die Netzkontoabrechnung in der KoV Gas V geht auf den Umstand zurück, dass in jüngster Vergangenheit die benötigten Regelenergiemengen dramatisch angestiegen waren. Ursache dafür sind zum Teil erhebliche Abweichungen zwischen den Allokationen der Netzbetreiber und den am Gastag tatsächlich ausgespeisten Gasmengen, insbesondere nach erheblichen Temperaturschwankungen oder beispielsweise im sehr kalten Februar 2012. Da der hohe Regelenergiebedarf erhebliche Mehrkosten verursacht, die im ersten Schritt die Transportkunden und letztlich die Verbraucher tragen müssen, verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, hier Verbesserungen zu erzielen.

Analysen der Marktgebietsverantwortlichen zeigen, dass die Differenzen überwiegend auf fehlerhafte Allokationen bei Standardlastprofilkunden zurückzuführen sind. Die sind gemäß GABi Gas schon systembedingt unvermeidbar, weil der Netzbetreiber anhand der Daten vom Vortag für den Folgetag allokiert. Die Allokation erfolgt unter Zugrundelegung des Kundenwertes, dem auf Basis der Vortagestemperatur oder von vier Tagesmitteln bestimmten Verbrauchswert der Kunden. Dabei ist der Temperaturversatz ein zentraler Unsicherheitsfaktor, denn das tatsächliche Verbrauchsverhalten der Kunden kann ganz anders aussehen. Viele schwer kalkulierbare Faktoren spielen dabei hinein. Beispielsweise verhalten sich die Verbrauchskurven in Neubaugebieten mit gut gedämmten Häusern anders als in den Standardlastprofilen unterstellt. Aufgrund des Speichereffektes steigt der Wärmebedarf nach Temperaturschwankungen hier stark verzögert an. Die Netzbetreiber sind aufgefordert, bei den verschiedenen Einflussfaktoren genauer hinzuschauen und die Profile präziser einzustellen. Einen Anreiz, all dies zu tun, erhält der Netzbetreiber durch die Vorausabrechnung des Netzkontos.

Prozesse der neuen Netzkontenabrechnung

Die Netzkontoabrechnung nach KOV Gas V ist ein innerhalb fester Fristen und Regeln ablaufender Prozess. Er startet mit der Bereitstellung des ersten vorläufigen  Netzkontoauszugs im Datenportal des Marktgebietsverantwortlichen und der Plausibilisierung der Daten durch den Netzbetreiber. Im Clearing werden u. a. Differenzen bei den Netzkoppelpunktzeitreihen geklärt. Schließlich sendet der Marktgebietsverantwortliche den finalen Netzkontoauszug zwei Monate und zehn Werktage nach dem Allokationsmonat. Die Netzkontoabrechnung erstellt der Marktgebietsverantwortliche zwei Monate und elf Werktage nach dem Allokationsmonat. Bemessungsgröße bei der Netzkontoabrechnung ist die prozentuale monatliche Abweichung. Wird der Schwellenwert von 10 % überschritten, erfolgt eine Abschlagszahlung zum Mehr-/Mindermengenpreis des Monats für registrierende Leistungsmessung - ein Vorgriff auf die eigentliche Mehr-/Mindermengenabrechnung.

Was hat die Netzkontoabrechnung für den Netzbetreiber für wirtschaftliche Folgen? Die Mehr-/ Mindermengenabrechnung ist für den Netzbetreiber ein durchlaufender Posten. Wenn Mehrmengen (also eine Überallokation) entstehen, muss der Netzbetreiber dem Transportkunden die Mehrmenge, bewertet mit dem RLM-Mehrmengenpreis, erstatten. Denselben Betrag erhält der Netzbetreiber vom Marktgebietsverantwortlichen. Bei Mindermengen ist der Geldfluss umgekehrt. Für RLM-Entnahmestellen wird die Abrechnung drei Monate nach dem Allokationsmonat fällig, bei SLP-Entnahmestellen erst nach der Ablesung. Je nach Verfahren (rollierend monatlich, jährlich Stichtag etc.) kann dies ggf. erst nach über einem Jahr der Fall sein. Nur Mindermengen, also bei einer Unterallokation, werden nach der KOV Gas V gegenüber dem Netzbetreiber im Rahmen der Netzkontoabrechnung vorab abgerechnet.

SOPTIM Beispiel Netzkontoabrechnung Newsletter 3/2012

Bild 1: Zuordnung aller für die Allokation nach KOV V erforderlichen Daten in  einem Netznutzungsvertrag nach der GeLi-Versorgungsklärung mit asynchronem Bilanzierungsbeginn

Es erfolgt also eine Abrechnung der 40.000 kWh zum Preis MM-Preis RLM für Monat x. Ein negatives Netzkontosaldo würde hingegen zu keiner Abrechnung (Abschlagszahlung an den Netzbetreiber) führen.
Aufgrund des ggf. hohen zeitlichen Versatzes dieser Zahlung an den Marktgebietsverantwortlichen und der Einnahme durch Abrechnung gegenüber den Transportkunden ggf. über ein Jahr später sollte es im Interesse des Netzbetreibers liegen, die Abweichungen gering zu halten. Zusätzlich steigt der Druck für die Netzbetreiber, die Mehr-/Mindermengenabrechnung für RLM- und SLP-Kunden frühzeitig vorzunehmen.
Ein weiterer Druck, das Netzkontosaldo 0 gering zu halten, üben drohende Meldungen an die Bundesnetzagentur aus. Bemessungsgröße dafür ist auch hier die prozentuale monatliche Abweichung auf dem Netzkonto. Hier wurden die Schwellenwerte herabgesetzt. Bei Abweichungen von mehr als 5 % (in beide Richtungen, also hier auch bei Überallokationen) erhält die Bundesnetzagentur eine Meldung. Eine Veröffentlichung droht ab einer monatlichen Abweichung von mehr als 50 % (auch hier in beide Richtungen).

Wege zur Fehlerminimierung bei der SLP-Allokation

Wie schafft es der Netzbetreiber, die Fehlerquote bei der SLP-Allokation zu senken? Zunächst einmal ist es eminent wichtig, dass die Datenbasis stimmt. Dafür müssen die GeLi-Gas-Prozesse konsequent umgesetzt werden, sprich: jeder Messstelle sind der zuständige Lieferant, das korrekte Zählverfahren und bei SLP-Entnahmestellen auch die korrekte temperaturbereinigte Verbrauchsprognose (Kundenwert) zuzuordnen. Der Netzbetreiber muss sich auch über die Ausprägung der Profile der einzelnen Entnahmetypen Gedanken machen. Er kann die Profilgüte verbessern, indem er die Parameter für die Lastprofile den spezifischen Gegebenheiten anpasst. Bei der Prognosetemperatur hat sich auch gezeigt, dass man in verschiedenen Netzbereichen gut damit fährt, einen Vier-Tages-Mittelwert zu verwenden und nicht den Mittelwert des Vortages. Auch der Einflussfaktor Wind muss korrekt berücksichtigt werden.
Wenn der Netzbetreiber unter diesen Prämissen allokiert, können die Abweichungen im Netzkonto nur noch systembedingter Natur sein. Wichtig ist, dass er das Netzkonto verfolgt und selber per Schattenrechnung das Netzkonto 0 kontrolliert, das er von dem Marktgebietsverantwortlichen übermittelt bekommt: Fehlen Saldo-Zeitreihen? Sind zu allen gemeldeten Allokationen positiven CONTRL-Antworten eingetroffen? Hat es zu einzelnen Allokationen APERAK-Nachrichten gegeben? Geht der Marktgebietsverantwortliche von den gleichen Informationen aus, die im eigenen System stehen und die an ihn versendet wurden? Das Monitoring beginnt beim täglichen Kontrollieren und dazu gehören selbstverständlich auch monatliche Prüfungen des Saldos, wenn alle Ersatzwerte gebildet und korrigierte Zeitreihen verwendet wurden. So erlebt der Netzbetreiber zumindest keine bösen Überraschungen. Andererseits kann er rechtzeitig Korrekturmaßnahmen für zukünftige Allokationen ergreifen.

Transparenz in Daten und Prozesse bringen!

IT-System-seitig benötigt der Netzbetreiber eine GeLi-Gas-Versorgungsklärung mit hoch automatisierten Prozessen und mit Auswertungsmöglichkeiten, um Fehler in der Zuordnung zu finden. Ferner ist er auf ein übersichtliches Management-Cockpit angewiesen, das ihm alle Allokationen darstellt, das Auswertungen ermöglicht, wo etwa noch Zeitreihen fehlen, und das den Versand der Meldungen sowie die Eingangsbestätigungen des Marktgebietsverantwortlichen überwacht. Das System muss die täglichen IMBNOT-Meldungen und den Netzkontostand verfolgen können und den Nutzer durch farbige Signale darauf hinweisen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Damit wird der Netzbetreiber in die Lage versetzt, kurzfristig einzugreifen.
Die neue Netzkontoabrechnung soll den Netzbetreiber motivieren, an allen ihm zugänglichen Schrauben zu drehen, damit er nur noch möglichst kleine Mehr- oder Mindermengen vor sich herschiebt. Dadurch soll sich der Regelenergiebedarf verringern und auf diesem Wege - so die Schlussfolgerung des Gesetzgebers - der Endkunde von Mehrkosten entlastet werden. Dabei muss klar sein, dass die KoV V keine finale Regelung ist. Die Marktentwicklung steht weiter unter Beobachtung, und der Gesetzgeber wird die Zügel zweifellos weiter anziehen, wenn er zu dem Schluss kommt, dass die neuen Maßnahmen nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben.
Die KoV V - das immerhin ist für die Netzbetreiber eine frohe Botschaft - erfordert so gut wie keine System- und Prozessveränderungen. Ausspeisenetzbetreiber müssen in ihrem EDM-System lediglich die Bildung der Bilanzkreissummen für RLM-Entnahmestellen anpassen, die einem reinen Biogas-Bilanzkreis zugeordnet sind. Alles andere bleibt, wie es schon war. Die beschriebenen Anforderungen an die GeLi- und GABi-Prozesse stellen auch keine große Mehrbelastung dar. Im Grunde fordert die KoV V die Netzbetreiber dazu auf, die Hausaufgaben, die sie schon längst hätten machen sollen, nun tatsächlich zu erledigen.
Für Netzbetreiber mit professionellen IT-Bordmitteln ist das grundsätzlich kein Problem. Nachteile haben Netzbetreiber, die wenig Kontrollmöglichkeiten haben, die keine Übersichten erzeugen können und damit auch keinen großen Einfluss auf die Fehlergröße der Allokationen haben. Nach wie vor gibt es Netzbetreiber, die mit ihren IT-Systemen beispielsweise keine zählpunktscharfe Mehr-/Mindermengen-Abrechnung durchführen können. Wer schon bei den vorhandenen Prozessen hinterherhinkt, wird es immer schwerer haben, mit einfachen Hilfsmitteln die notwendigen Auswertungen und Analysen durchzuführen, Fehler zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren.

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