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Einführung in die Kunst des subversiven Argumentierens

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Über Fake News und echte Wahrheiten haben wir an dieser Stelle vor einigen Wochen schon einmal sinniert. 2010, als man von solchen Diskussionen noch nichts ahnen konnte, hatte der Comedian Olaf Schubert einen Witz im Programm, der zu einen interessanten Brückenschlag in die Gegenwart animiert: Ohne dies zu beabsichtigen, stellte er eine Argumentationsmethode vor, mit dem man Dinge ultimativ in Frage stellen kann. O-Ton Schubert: „Die Beweislage zur Existenz Außerirdischer ist sehr unklar. Es gibt auf der einen Seite Fotos, wo Außerirdische drauf sind. Aber die beweisen ja nicht, dass es sie gibt. Denn die Fotos können ja gefälscht sein. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch viele Fotos, wo keine Außerirdischen drauf sind, die können aber auch gefälscht sein. Die beweisen ja nicht, dass es sie nicht gibt.“

Herrlich! Wenden wir die Technik gleich mal auf ein ähnliches Beispiel an: Es gibt Menschen, die behaupten, es gebe den Yeti, weil sie ihm schon mal begegnet sind oder wenigstens seine Fußspuren im Schnee gesehen haben. Muss aber nichts heißen, denn beim Bergsteigen in dünner Luft kann man schon mal halluzinieren. Dann gibt es Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass es den Yeti nicht gibt. Die können aber genauso falsch liegen, weil sie meist noch nicht einmal im Himalaya waren.

Im Falle der Existenz von Außerirdischen, Yetis, Weihnachtsmann, Osterhase, Ungeheuer von Loch Ness usw. ist diese Dialektik zumindest lustig. Auf ernsthafte Themen angewendet, offenbart sich jedoch die perfide Seite der Argumentationstechnik. Einfach These und Antithese in Frage stellen – schon ist es um die Wahrheit geschehen. Ein Beispiel:

Es gibt Studien, die beweisen, dass der Treibhauseffekt menschengemacht ist. Aber das muss nichts bedeuten, denn die Ergebnisse könnten ja durch Klimamodellfehler oder Messungenauigkeiten verfälscht worden sein. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Erderwärmung im Bereich normaler erdgeschichtlicher Klimaschwankungen liegt. Diese Studien können aber ebenso falsch sein. Sie beweisen somit nicht, dass der Mensch dafür nicht verantwortlich ist.

Indem man sowohl die gängige Lehrmeinung als auch die Außenseiterposition in Frage stellt, werden Tatsachen diskreditiert und verleugnet, während die Unwahrheit als denkbare Option hoffähig wird. Wo immer diese Argumentationstechnik Anwendung findet, hat die Gewissheit ausgedient. Alles schwankt und schwimmt und schlingert. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Ein Trumpeter aus den USA, der aktuell auf der Weltbühne Furore macht, spielt ganz ähnliche Partituren.

Man kann das Spielchen in abgewandelter Form mit fast allem und jedem machen. Bisweilen mag subversives Argumentieren aber auch zum Nachdenken anregen und bei der eigenen Standortbestimmung helfen. Ein naheliegendes Beispiel gefällig? Bei SOPTIM herrscht einhellig die Überzeugung vor, dass die Digitalisierung disruptiv wirkt und alles, wirklich alles auf den Kopf stellen wird. Was nicht stimmen muss, denn wir könnten ja wahlweise übertreiben, etwas übersehen oder Fehleinschätzungen unterliegen. In manchen anderen Unternehmen andererseits gibt es Menschen, die sagen, es werde schon alles nicht so schlimm werden mit der Digitalisierung (Lebensmotto: „Et hätt noch immer joot jejange“). Das muss aber auch nicht richtig sein, denn diese Menschen könnten bewusst abwiegeln, etwas übersehen oder Fehleinschätzungen aufsitzen. Interessant ist es nun, auszuloten, wo die Wahrheit liegt. In der Mitte? Das mag ein jeder für sich selbst entscheiden. Wir jedenfalls glauben es nicht.

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