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Gedanken über das „Gesetz zur Verfingerung des Energiedrehs“

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Welche Botschaft unsere Sprache transportiert, ist oft nicht klar. Versteckte Signale lassen sich bekanntlich in vielen Formulierungen entdecken. Man muss nur gewissenhaft suchen ‒ im aktuellen Buzzword „Digitalisierung“ zum Beispiel. Das Adjektiv „digital“ stammt von „digitus“ ab. Das ist lateinisch und bedeutet „Finger". Also könnte man das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ etymologisch reduziert auch als „Gesetz zur Verfingerung der Energiewende“ bezeichnen. Das klingt merkwürdig, lässt aber plausible Assoziationen zu: Könnte „Verfingerung“ nicht bedeuten, dass zu viele verschiedene Hände an der Energiewende herumfummeln? Das würde zumindest erklären, warum die Gesetzgebung so lange dauert und die Energiewende im Klein-Klein stecken bleibt. Letzteres behaupten ja manche Menschen. Wenn man andererseits nur einen Buchstaben aus unserem Ersatzwort streicht, landet man beim „Gesetz zur Veringerung der Energiewende“. Zwar entstellt ein Rechtschreibfehler den neuen Terminus, trotzdem wird er nicht nur von Verschwörungstheoretikern sofort verstanden: Das nämliche Gesetz will die Energiewende verhindern! Es macht die Dinge sehr kompliziert, damit alle verwirrt kapitulieren.

Wie sieht das mit „Energiewende“ aus? Der Begriff ist ja jener denkwürdigen Wende nachempfunden, die den gesellschaftspolitischen Wandel in der ehemaligen DDR auf dem Weg zur deutschen Einheit beschreibt. Trotzdem sei auch dieser Terminus auf die semantische Streckbank geschnallt. Das Verb „wenden“ bedeutet streng genommen „umdrehen“. Ersetzen wir also „Energiewende“ durch „Energiedreh“. Erneut lässt der Erkenntnisgewinn nicht lange auf sich warten. Ein Stück Kohle oder Holz im Kamin kann man drehen, damit es besser brennt. Zugegeben, bei Strom, Gas und Wärme lässt sich der Sinn des Umdrehens oder Wendens nicht direkt erkennen. Obwohl – steigert gut durchgewirbeltes Gas nicht die Leistung von Brennern? Allgemein lässt sich also trotz kleinen Beweislücken behaupten: Gedrehte Energie brennt besser, ihr Verbrauch steigt.

Was also steckt hinter dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“? Bei illuminierter Betrachtung scheinbar exakt das Gegenteil dessen, was es vorgibt zu sein: ein Gesetz zur Steigerung des Energieverbrauchs.

„Stop“, werden Logiker einwenden, „falsch geschlussfolgert.“ Doppelte Verneinung bedeutet Bejahung. Das „Gesetz zur Verfingerung des Energiedrehs“ beschreibt sehr wohl sein ursprüngliches Ziel: Es soll die Menschen davon abhalten, mehr Energie zu verbrauchen – durch Verringerung des forcierten Bedarfs.

Okay, wenn das so ist, muss es mit der Energiewende ja auf jeden Fall klappen.

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