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Von Klingeltönen und dem Patellasehnenreflex

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Es passiert immer wieder –  auf der Messe, im Konferenzhotel, im Zug, in der Airport-Lounge und an andern Orten mit vielen Menschen: Irgendwo in meiner Umgebung läutet ein Mobiltelefon, und instinktiv fasse ich in meine Hosentasche, um mein eigenes Gerät zu greifen. Natürlich merke ich meist sofort, dass der Anruf nicht mir gilt, weil ja ein fremder Klingelton ertönt. Trotzdem, der Reflex funktioniert mit einer Unausweichlichkeit, die mich nervt. Bin ich ferngesteuert? Wo ist meine Selbstbestimmtheit in diesem Moment? Klar, oft klingen insbesondere Standardklingeltöne sehr ähnlich, manchen hat man vielleicht sogar selbst schon mal benutzt. Die alte Konditionierung lässt sich halt nicht so einfach abschütteln. Das Phänomen mutet an wie die akustische Variante des bekannten Reflextestes beim Arzt, der mit einem Hämmerchen auf die Patellasehne unterhalb der Kniescheibe klopft. Wenn der Unterschenkel hochzuckt, ist mit dem Rückenmark alles in Ordnung. Auch ohne auf medizinisch-wissenschaftliche Forschungsergebnisse zurückgreifen zu können, lässt sich zum Handy-Greifreflex sagen: Er ist weit verbreitet und nicht schädlich. Man könnte sein Vorhandensein als absolute Kommunikationsbereitschaft deuten – eine ideale Disposition für den Beruf, den ich ausübe.

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Trotzdem schmeckt es mir nicht wirklich, diesem Reflex ausgeliefert zu sein. Ich habe deshalb schon mal erwogen, mir selbst einen möglichst exklusiven Klingelsound zuzulegen, der sich vom Einheitsgedudel komplett unterscheidet. Das Gitarrenriff von „Smoke on the water“ oder die Eingangssequenz von „Hells Bells“ beispielsweise könnte ich mir als Therapieprogramm vorstellen. Hohes Differenzierungspotenzial bietet auch markerschütterndes Sirenengeheul oder eine quäkende Kinderstimme, die mit zunehmender Lautstärke und Aggressivität ruft: „Papa, Telefon!“ Beim Googeln nach lustigen Klingeltönen findet man sogar noch ganz andere Möglichkeiten zur Individualisierung des eigenen Handys.

Von dieser Idee bin ich aber wieder abgerückt. Erstens kuriert dies nicht zwingend meinen Greifreflex beim Läuten fremder Telefone. Zweitens liegt es mir fern, unbekannten Menschen meinen Musikgeschmack oder sonstige persönliche Eigenarten zu verraten. Und drittens kann es speziell im Business-Umfeld peinlich werden: Viele Menschen leiden beim Umgang mit dem Handy nämlich nicht nur unter dem Greifreflex, sondern gelegentlich auch an Vergesslichkeit. Man stelle sich vor, sein Mobiltelefon vor Konferenzbeginn nicht auf stumm geschaltet zu haben und das Gerät im andächtig lauschenden Auditorium plötzlich in voller Laustärke losplärren zu hören: „An idiot is attempting to reach you on your cellular device.“ Eine ehrliche Botschaft wäre das, keine Frage, aber in dieser Situation selbst mit Humor kaum zu vermitteln. Da schwimme ich doch lieber im Klingel-Mainstream und nehme hin, dass meine Hand in manchen Situationen ein Eigenleben führt.

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