Am 7. April 2016 zündet die letzte REMIT-Stufe

Meldedaten erstellen und austauschen leichtgemacht

SOPTIM_Newsletter_REMIT_Regeln_Gesetze.png

REMIT ist in aller Munde, denn die Richtlinie tritt aktuell etappenweise in Kraft. Sie betrifft praktisch alle Energieunternehmen und viele Industriebetriebe. Ziel der europäischen Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts ist es, Preismanipulationen in den europäischen Märkten für Strom und Gas vorzubeugen. SOPTIM hat seine Handels- und Beschaffungssoftware rechtzeitig für Datenaufbereitung und Meldeprozesse fit gemacht. Eine Kooperation mit der Seeburger AG, die als RRM im Markt fungiert, soll den Datentransfer per standardisierter Schnittstelle zusätzlich vereinfachen.

Die Umsetzung von REMIT, der europäischen Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts, befindet sich auf der Zielgeraden. Bereits seit 7. Oktober 2015 müssen an organisierten Strom- und Gasmarktplätzen abgewickelte Großhandelsgeschäfte an die Europäische Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) gemeldet werden. Für die Geschäfte, die seit dem Stichtag auf den organisierten Marktplätzen abgeschlossen werden, übernehmen das eben diese organisierten Märkte. Zusätzlich mussten solche Geschäfte, die vor dem 7. Oktober 2015 auf organisierten Marktplätzen abgeschlossen wurden und über den Termin hinaus wirksam sind, im sog. Backloading von den Marktpartnern selbst bis zum 7. Januar 2016 gemeldet werden.

Alle Strom- und Gasgroßhandelsgeschäfte sind meldepflichtig

Vom 7. April 2016 an müssen auch die außerhalb organisierter Marktplätze getätigten Energiegroßhandelsgeschäfte an ACER gemeldet werden. Im Grundsatz haben beide Vertragsparteien dies zu tun, allerdings können die Einzelheiten des geschlossenen Vertrags auch durch eine Partei im Namen der anderen mit übermittelt werden. Grundsätzlich sind alle Transaktionen mit Strom- und Gasgroßhandelsprodukten meldepflichtig. Vertriebsseitig sind von der Meldepflicht Absatzverträge mit Kunden betroffen, die potenziell mehr als 600 GWh/a Strom oder Gas beziehen. Zudem sind Fundamentaldaten anzuzeigen, wie Erzeugungskapazitäten und geplante und ungeplante Nichtverfügbarkeiten von Anlagen sowie Daten zu den Strom- und Gasnetzen. Die Meldungen müssen in Abhängigkeit von der Vertragsform innerhalb bestimmter Fristen erfolgen. Bei Regelverstößen gegenüber der Meldepflicht drohen Pönalen.

Um die Meldeprozesse zu vereinheitlichen und die Masse an Meldungen bewältigen zu können, hat ACER sogenannte "registered reporting mechanisms" (RRMs) zwischengeschaltet. Diese nehmen die REMIT-Meldungen standardisiert entgegen und leiten sie an ACER weiter. Die RRMs sind folglich auch die unmittelbaren Partner der Marktakteure bei der REMIT-Datenkommunikation. Ende 2015 waren bei ACER knapp 40 europäische RRMs öffentlich registriert, darunter vier deutsche Unternehmen. Mehrere mittlerweile abgeschlossene und eingeleitete Zertifizierungsverfahren lassen erwarten, dass beide Zahlen deutlich steigen werden.

REMIT-Prozesse automatisieren und vereinfachen

Wie schon bei den Bestimmungen zu EMIR (siehe Textkasten) bedeutet auch die Umsetzung von REMIT für die am Energiehandelsmarkt tätigen Unternehmen zusätzlichen Aufwand. Dieser sollte sich, nachdem die Prozesse installiert sind und sich eingeschwungen haben, im Tagesgeschäft auf ein Minimum reduzieren. Hier sind die Anbieter von Energiehandels- und Portfoliomanagement-Software in der Bringschuld. Sie haben dafür zu sorgen, dass die im System vorhandenen Daten extrahiert und strukturiert aufbereitet an einen RRM gesendet werden können – und zwar möglichst automatisiert im Hintergrund.

Was REMIT und EMIR verbindet und unterscheidet:

REMIT und EMIR (European Market Infrastructure Regulation) werden oft in einem Atemzug genannt. Tatsächlich sind beide quasi Geschwister, verfolgen ähnliche Ziele und sind für finanzielle Termingeschäfte sogar parallel anzuwenden. Allerdings sind Doppelmeldungen ausgeschlossen, d. h., es wird zuerst an EMIR gemeldet und nur, wenn dies nicht nötig ist, an REMIT. Während REMIT nur für Strom- und Gasgeschäfte gilt, betrifft EMIR darüber hinaus auch alle Derivate auf Öl und Kohle sowie Emissionen (ab MiFID II).
EMIR resultiert aus der Finanzmarktkrise 2008 und wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, systemische Risiken im europäischen Derivatemarkt einzudämmen. Kern der EMIR-Regulierung ist die Verpflichtung der Marktteilnehmer zum Clearing außerbörslicher Standard-Derivatgeschäfte über eine Central Counterparty sowie die Meldung dieser OTC-Geschäfte an ein Transaktionsregister. Alle betroffenen Unternehmen mussten ein einschlägiges Meldesystem einrichten, um Derivatgeschäfte bei einem Transaktionsregister anzuzeigen.

Im Gegensatz zu REMIT ist EMIR schon etwas länger gültig: Seit dem 16. Februar 2013 ist diese europäische Regelung bereits in Kraft. Mit dem vollständigen Inkrafttreten von REMIT zum 7. April 2016 wird der gesamte europäische Energiehandel fortan lückenlos überwacht.
SOPTIM_Newsletter_REMIT_Datenuebertragung.png

SOPTIM hat die Umsetzung der REMIT-Anforderungen kontinuierlich vorangetrieben und die Prozesse anforderungsgemäß in den Releases der Portfoliomanagementlösung PMS sowie der modernisierten Produktversion SE:Supply&Trade abgebildet. In der im August 2015 veröffentlichten Version waren zunächst die erforderlichen neuen Datenfelder angelegt worden, sodass die Kunden sich auf die neuen Anforderungen vorbereiten konnten. Das im November 2015 veröffentlichte jüngste Software-Release bringt alle Funktionen mit, um REMIT-Meldedatensätze regelkonform versenden, Antwortmeldungen verarbeiten und den Meldeprozess überwachen zu können.

Standardschnittstelle zum RRM Seeburger

Um die Meldeprozesse möglichst einheitlich gestalten zu können, hat SOPTIM mit der Seeburger AG einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Das IT-Haus in Bretten (Schwarzwald) hat sich von ACER als RRM zertifizieren lassen. SOPTIM und Seeburger haben eine Standardschnittstelle geschaffen, die einen besonders sicheren und einfachen Transfer der Meldedaten aus den SOPTIM Kundensystemen ins RRM-System von Seeburger gewährleistet. „Exklusiv ist diese Partnerschaft selbstverständlich nicht“, betont Ralf Gerschau, REMIT-Experte bei SOPTIM. „Wir sind grundsätzlich für die Zusammenarbeit mit beliebigen RRMs offen. Aber dank der Partnerschaft können wir unseren Kunden eine vorkonfigurierte Komplettlösung anbieten.“ Ohne ausdrückliche partnerschaftliche Verbindung befinden sich ähnlich enge technische Kopplungen (per Webservice-Anbindung) mit den RRMs REGIS-TR, EFETnet und RWE in der Umsetzung. Bei allen anderen RRMs ist der Upload von XML-Dateien selbstredend ebenfalls möglich. SOPTIM werde dabei jedoch nicht als REMIT-Meldedienstleister auftreten, grenzt Gerschau das Leistungsspektrum ab: „Wir stellen die Systemvoraussetzungen bereit, damit unsere Kunden ihre Pflichten selbst möglichst einfach erfüllen können.“

Im Dezember seien die Kundenbetreuer der SOPTIM AG und die Berater des Tochterunternehmens soptim business consult GmbH bereits intensiv mit REMIT-Projekten beschäftigt gewesen, berichtet Gerschau. Einige SOPTIM-Kunden waren von der Backloading-Verpflichtung betroffen. Das erste Quartal 2016 verspricht – der nächste Stichtag ist nicht fern – für Softwarehaus und Kunden nicht minder arbeitsintensiv zu werden. Gerschau ist zuversichtlich: „Wir haben softwareseitig alle Voraussetzungen geschaffen, dass die Klippe REMIT sicher umschifft wird. Außerdem stehen mit unseren Beratern bei Bedarf fachkundige Lotsen zur Verfügung.“

Gerhard Großjohann

+49 241 400 230

Direkt anrufen

Verwendung von Cookies

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung der SOPTIM-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung
OK, verstanden