Software von SOPTIM managt zuverlässig Markt für Minutenreserveleistung

Automatisiertes Abrufverfahren
Mittwoch, 26. Oktober 2016 26.10.2016 von Christoph Speckamp 0 Kommentar

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion GmbH, Transnet BW GmbH, Tennet TSO GmbH und 50Hertz Transmission GmbH arbeiten beim automatisierten Abruf von Minutenreserveleistung (MRL) mit dem Merit-Order-List-Server (MOLS) und der MOLS-Anbieter-Client MeRLin. Wer hat’s gemacht? Falsch, nicht die Schweizer, sondern als exklusiver IT-Partner die SOPTIM AG. Das System wurde gemeinsam von den vier deutschen ÜNB unter der Projektleitung von Amprion mit SOPTIM nach den Kommunikationsstandards der ENTSO-E (ENTSO-E Reserve Resource Process - ERRP) von Grund auf neu entwickelt.

Bekanntlich wird Minutenreserveleistung bei größeren und länger andauernden Leistungsungleichgewichten in den Regelzonen aktiviert, um eingesetzte Sekundärregelleistung abzulösen. MRL wird wie ein normales Handelsgeschäft organisiert, also durch einen Fahrplan bestätigt und nach Durchführung abgerechnet. Bereitgestellt wird Minutenreserveleistung von Kraftwerksunternehmen, Industriebetrieben und Poolbetreibern, die kurzfristig Erzeugungseinheiten bzw. Verbrauchslast zu- oder abschalten können. Mit Hilfe der Internetplattform www.regelleistung.net können Unternehmen jeweils für die ausgeschriebenen Zeiträume Angebote über positive und negative Minutenreserveleistung abgeben. 

Den Zuschlag erhalten die eingegangenen Minutenreserveleistungsangebote bis zur Ausschreibungsgrenze auf Basis der angebotenen Leistungspreise, beginnend beim Angebot mit dem niedrigsten Leistungspreis. Wenn die Netzsituation den Einsatz von MRL erfordert, können die Übertragungsnetzbetreiber bezuschlagte MRL-Verträge in benötigter Größenordnung im Viertelstundenraster abrufen. Dabei erfolgt der Abruf in aufsteigender Reihenfolge der Arbeitspreise (Merit-Order). Im Rahmen des Netzregelverbundes (NRV) passiert dies über alle vier deutschen Regelzonen preisoptimal.

Der automatisierte Datenaustausch, den MOLS ermöglicht, verschafft den ÜNB den nötigten Handlungsspielraum beim MRL-Einsatz. Beim Ausregeln von Leistungsungleichgewichten, die durch volatile Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen verstärkt auftreten, sorgt das System für effiziente und sichere Abläufe.

Alle vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben Zugriff auf den bei Amprion in Dortmund betriebenen MOLS. Sie steuern mit der ÜNB-Dialogkomponente (TSO-Client) die gesamte Bedienung und das Monitoring der MRL-Aktivierungen und überwachen die Rückmeldungen der Vertragspartner. Telefonische Abrufe, früher der Normalfall im MRL-Management, sind nur noch im Störungsfäll vorgesehen.

MOLS und MRL-Anbieter verbindet ein vollständig automatisiertes, standardisiertes Kommunikationsverfahren auf XML-Basis. Die Kommunikation läuft internetbasiert. Durch Verschlüsselung und Signierung der ausgetauschten Dateien sowie authentifizierte Verbindungen erfüllt der Transfer höchste Anforderungen an Datensicherheit und Verbindlichkeit.

Der MOLS sendet XML-Dateien mit allen relevanten Abrufinformationen an die MRL-Anbieter, insbesondere Zeitraum und Höhe der benötigten Minutenreserveleistung. Das gewählte Kommunikationsverfahren macht es möglich, bereits beim Versand der Anfrage im MOLS zu erfassen, ob die Datei die Empfangsstelle des MRL-Anbieters erreicht hat. Im Falle der Nichterreichbarkeit kann sofort eine erneute Berechnung des Abrufportfolios angestoßen und die Netzstabilität durch einen MRL-Abruf bei weiteren verfügbaren Anbietern sichergestellt werden.

Beim MRL-Anbieter liest MeRLin die vom MOLS eingehende Nachricht automatisch ein und zeigt die enthaltenen Informationen in Dialogübersichten an. Die obligatorische Bestätigung der MRL-Aktivierung kann automatisch erzeugt und versendet werden. Der MOLS überwacht jeden Abrufvorgang inklusive Einhaltung individueller Bestätigungsfristen. Wenn ein MRL-Anbieter z. B. aufgrund technischer Störungen seines in der Auktion erfolgreiches Angebot reduzieren möchte, kann er dies in einem analog aufgebauten Verfahren an den MOLS melden. Nach Ablauf eines Tages stellt der Server die Abrechnungsinformationen elektronisch zur Verfügung.

Das vollelektronische Verfahren hat sich bewährt. Da die ÜNB MeRLin lizenzkostenfrei bereitstellen, sind die systemseitigen Investitionen für die Teilnahme am Minutenreservemarkt gering. MOLS und MeRLin legen die technologische Basis für einen liquiden MRL-Markt. MOLS läuft seit dem Start prozesskonform und ausfallfrei. Die Übertragungsnetzbetreiber und letztendlich auch die Endverbraucher profitieren durch minimierte spezifische Abrufkosten und einen verringerten operativen Aufwand in den Leitständen.

Dem in Deutschland realisierten MOLS und dem automatisierten Abrufverfahren für Minutenreserveleistung darf man in Europa durchaus Vorbildcharakter attestieren. SOPTIM-Technologie könnte dazu beitragen, dass auch grenzüberschreitend ein liquider Markt für Minutenreserveleistung entsteht. Grundsätzlich bietet die Integration ausländischer Regelzonen das Potenzial für weitere Kosteneinsparungen und mehr Wettbewerb im Regelenergiemarkt.

MOLS ist ein Leuchtturmprojekt und Aushängeschild des Geschäftsbereiches SOPTIM Connect. Der Auftrag wurde in einer europaweiten Ausschreibung gewonnen und just in time realisiert. Was zeigt: Auf SOPTIM ist Verlass – egal wie komplex die Anforderungen des Energiemarkts sind.

Und wer jetzt Lust auf noch mehr Input zur Minutenreserve hat, hier gibt's noch mehr Details.

Kommentar schreiben

Ihr Kontakt Stephanie Lemken Was kann ich für Sie tun?
+49 241 918 790

Direkt anrufen

Verwendung von Cookies

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung der SOPTIM-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung
OK, verstanden