Sind Ameisen innovativ?

Flexibilisierung von Unternehmen statt Effizienzsteigerung
Mittwoch, 5. September 2018 05.09.2018 von Dr. Thomas Keusen 0 Kommentar

Es gibt schon einige Publikationen, in denen Managementstrategien von Tierverhalten abgeleitet werden, wie Mäusestrategie, Pinguinstrategie oder sogar Kakerlakenstrategie und auch eine Steinstrategie, die diese wiederum auf den Arm nimmt oder zumindest in Frage stellt. Ich möchte mich diesen nicht anschließen, dennoch helfen aber Vereinfachungen und Symbole Dinge zu veranschaulichen und leichter zu verstehen. Und ein Ameisenstaat ist zunächst einmal von außen betrachtet ein äußerst komplexes und chaotisches Gebilde.

Die IT hat sich das Verhalten von Ameisen zum Vorbild genommen, um daraus eine sogenannte Metaheuristik abzuleiten. Also ein mathematisches Annäherungsverfahren, um Probleme zu optimieren wie z.B. das bekannte Salesman-Problem.
Aber eine Betrachtung des Ameisenverhaltens hilft auch bei Managementaufgaben.

Wikipedia schreibt zum Ameisenverhalten: „Bei der Futtersuche scheiden einzelne Ameisen entlang ihres Weges einen Duftstoff (Pheromon) aus. Andere Ameisen wählen wahrscheinlicher einen Weg mit höherer Pheromonkonzentration. Verbindet man in einem Experiment eine Futterquelle mit zwei unterschiedlich langen Wegen mit dem Nest, so betreten die Ameisen auf ihrer Suche nach Futter beide Wege etwa gleich häufig. Die Ameisen auf dem kürzeren Weg kehren jedoch schneller von der Futterstelle zurück, so dass mit der Zeit auf dem kürzesten Pfad eine höhere Pheromonkonzentration als auf dem anderen vorherrscht. In der Folge wählen die nachkommenden Ameisen bevorzugt diesen Weg: Sie scheinen entlang einer Straße zu laufen, eine Ameisenstraße ist entstanden.“

Betrachtet man die Beschaffung von Futter als unternehmerisches Ziel und Leistung, so erreichen die Ameisen mit einem einfachen Regelwerk und kontinuierlicher Kommunikation (mittels Pheromonen) als Kollektiv eine beachtliche, effiziente Leistung.

Bei Ameisen wie auch bei Unternehmen geht eine Futterquelle mal zur Neige. In Unternehmungen ist dann häufig zu beobachten, dass „Oberameisen“ angehalten werden, Ameisen, die die Ameisenautobahn kurzfristig verlassen oder mal einen Umweg gehen, zu ermahnen. Die höchste Effizienz wird erreicht, wenn alle Ameisen exakt auf der Autobahn bleiben.

Dies führt zu kurzfristiger Stabilisierung des Futter pro Ameisen Faktors (FAF). Dem Ruf nach Wachstum folgend wird festgestellt, dass einige Ameisen langsamer laufen als andere und diese werden dann zur Eile ermahnt. Ok, dabei bleiben einige Ameisen auf der Strecke, aber auch das hilft ja dem FAF. Wird der FAF dann mit der Zeit dennoch schlechter, werden Ameisen entlassen, natürlich nicht die Oberameisen. Denn die haben ja zwischenzeitlich bewiesen, dass durch ihre Kontrollen die Effizienz zunahm. Nach kurzfristiger Erholung des FAF sinkt aber die Futterbeschaffung weiter, bis nicht mehr genug Futter vorhanden ist und das Ameisenunternehmen stirbt trotz weiterer Ameisenentlassungen.

Was ist denn da jetzt schiefgegangen oder sterben die Ameisenstaaten in freier Natur auch regelmäßig?

Nun ja, beachten wir nochmal genau das einfache Regelwerk der Ameisen:
„… wählen wahrscheinlicher einen Weg …“ und „… wählen … bevorzugt diesen Weg …“ steht ja da und nicht „alle haben sich zu 100% an die Regel zu halten“.

In der Tat sieht man bei der Beobachtung von Ameisen immer mal wieder Ameisen, die links und rechts von der Ameisenstraße abweichen und auch mal Ameisen, die weiter weg von der Ameisenstraße sich scheinbar verirrt haben und ziellos durch die Gegend laufen. Aber genau dieses Verhalten von „wahrscheinlich“ und „bevorzugt“ führt dazu, dass einerseits eine hohe Effizienz erzielt wird und anderseits eine Wegstrecke weiter optimiert wird, weil durch „Ausprobieren“ eine Abkürzung gefunden und kollektiv geprägt [Verbesserung] oder durch „Suchen“ sogar eine ganz neue Futterquelle [Innovation] erschlossen wird.

Erst die Abweichung macht die Ameisen im Kollektiv intelligent, mathematisch spricht man dabei von einer sogenannten Schwarmintelligenz.

Dieses „Ausprobieren“ und „Suchen“ geschieht aber nicht auf der Ameisenautobahn, sondern abseits davon.

Wir können als Unternehmung nicht davon ausgehen, dass unsere Futterquelle auf ewig existiert und wegen unserer Ameisenperspektive auch nicht davon, dass wir den schnellsten Weg gefunden haben. Die Landschaft verändert sich zudem ständig.

Um flexibel und dynamisch aufgestellt zu sein, benötigen wir also Abweichler, Freiräume für vermeintliche Umwege und Suchende. Sie benötigen unseren Rückhalt, Freiräume, etwas Futter und uns als Kollektiv, um Abkürzungen zu kultivieren und neue Futterquellen zu erschließen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jede Ameise mal von der Regel abweicht oder einige häufiger. Natürlich senkt dies die Effizienz geringfügig, aber es sichert auf Dauer das Überleben.

Und noch etwas können wir von den Ameisen lernen. Das Optimum wird nicht durch Oberameisen gefunden und nicht durch strickte Regeleinhaltung.

Wir sollten die Schwarmintelligenz unserer Unternehmen verbessern, indem wir
•    Freiräume schaffen,
•    Abweichler animieren,
•    mehr ausprobieren als durchplanen
•    und dem Kollektiv mehr Verantwortung übergeben.

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