Ein letztes Mal Zeitumstellung ... vielleicht (?)

Donnerstag, 25. Oktober 2018 25.10.2018 von Dominik Keindl 0 Kommentar

Ja, auch ich habe für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt – und so langsam ahne ich, dass ich dadurch mitverantwortlich für viel Arbeit und wahrscheinlich auch ein kurzzeitiges Chaos in der Energiewirtschaft sein werde. In diesem Blogbeitrag möchte ich daher gerne meine Ideen dazu kurz mit Euch teilen. 

Die Aufgabe klingt ja im ersten Moment einfach: Ab nächstem Jahr kann es uns passieren, dass Deutschland einfach in der Sommerzeit bleibt und keine Umstellung auf die Winterzeit mehr mitmachen wird. Andere Staaten können sich anders entscheiden und wechseln nochmal in die Winterzeit, um dann danach nicht mehr in die Sommerzeit zurückzuwechseln. Eine offensichtliche Folge: Mehr Zeitzonen innerhalb der EU und dadurch eine häufigere Notwendigkeit, in den energiewirtschaftlichen Prozessen zwischen diesen hin und her zu rechnen. Das kennt man aber schon, z.B. aus dem Handel mit osteuropäischen Staaten oder Großbritannien. Es wird nur einfach häufiger auftreten und insbesondere auch bei einigen IT-Systemen, die bisher Zeitzonen einfach ignorieren konnten. 

Etwas kniffliger wird es bei der Frage, wie man denn mit den Vergangenheitsdaten umgeht. Oder mit bereits in der Zukunft getätigten Geschäften für den Zeitraum, in dem es dann plötzlich keine Umstellung mehr gibt. 

Aktuell kann man das 4. Quartal 2019 an der EEX bereits handeln und dort Base oder Peak Produkte kaufen und verkaufen. Aber was passiert dann mit der Überstunde im Oktober 2019, die es nach aktuellem Stand noch gibt und die man bei solchen Geschäften mit gehandelt hat? Müssen sämtliche getätigten Deals korrigiert werden, da sich nun bei gleichbleibender Leistung weniger gehandelte Energiemenge für das Quartal ergibt? Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass man sich auf ein eindeutiges Vorgehen zur Korrektur dieser Effekte im Energiemarkt einigt. 

Auch das Thema Prognose von Energieverbrauch und -erzeugung kommt an dem Thema natürlich nicht vorbei: Ich werde mich sehr wahrscheinlich bei meinem persönlichen Verhalten, wann ich zur Arbeit fahre etc. nach der Anzeige meiner Uhr richten. Damit wird sich mein Verbrauchsverhalten ebenfalls daran orientieren. Anders wird es wohl beim Verhalten der Stromerzeugung aus PV-Anlagen sein. Die Sonne wird im Winter 2019 eine Stunde eher als in den letzten Jahren auf- und untergehen. Berücksichtigt man diese trivialen Effekte in der Absatz- und Erzeugungsprognose nicht, kann dies teure Ausgleichsenergie zur Folge haben. 

Neben der Aufgabe für Hersteller von IT Systemen, sämtliche Systeme so zu korrigieren, dass es darin keine Zeitumstellung mehr gibt, ergibt sich für IT Abteilungen von Energieversorgern eine organisatorische Herausforderung: Die miteinander verbundenen Systeme sollten möglichst alle in einem engen Zeitfenster mit Updates versorgt werden. Sehr wahrscheinlich sind viele Fehlermeldungen in Schnittstellen, frei nach dem Motto “Zeitreihe abgewiesen, da vier Werte am Tag der Zeitumstellung fehlen”, bei schlechter Organisation entsprechender Updates verbundener Systeme, quasi vorprogrammiert.

Es bleibt jedenfalls spannend, ob die Abschaffung der Zeitumstellung tatsächlich so schnell kommt wie aktuell diskutiert wird. Den Aufwand bei der Umstellung der IT Landschaft auf diese neue Situation sollte man aus meiner Sicht aber nicht unterschätzen. Über Kommentare zu diesem Beitrag mit Gegenmeinungen oder andere Ideen zu dem Thema freuen wir uns trotzdem :) 

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