Agiles Vorgehen ist wie kontrolliertes Kurzpassspiel

Montag, 10. Juli 2017 10.07.2017 von Dominik Keindl 0 Kommentar

Das Thema Agilität ist mittlerweile nicht nur in der Software-Branche weit verbreitet und gerne auch mal schnell als Buzzword verbrannt. Das Schlimme ist, dass viele gar nicht verstanden haben, worum es geht und welche Ziele und Ideen dahinterstehen, aber Hauptsache mal losagilisieren. Irgendwo ein Board aufhängen, eine bestehende Liste zum „Backlog“ umbenennen, einen Mitarbeiter als Scrum-Master betiteln, und fertig ist man mit der Agilität. Wahrscheinlich ändert sich dadurch so ziemlich gar nichts, aber immerhin kann man sagen, man hätte beim neusten Modetrend mitgemacht. Aber zurück zum Anfang: Was soll das eigentlich mit der Agilität?

Ich höre zwar schon meinen Kollegen Hubertus sagen: „Das ist Fußball, das versteh ich nicht“, aber ich versuch‘s trotzdem mit folgendem Vergleich: Agilität im Entwicklungsprozess einzuführen, ist ein bisschen so wie die Umstellung von langen, weiten Bällen auf Kurzpässe beim Fußball.

Zunächst mal hat beides seine Daseinsberechtigung. Es wird auch weiterhin Dinge geben, die man nicht agil bearbeiten sollte. Das gilt vor allem dann, wenn man das zu lösende Problem einfach überschauen kann und es keine komplexen Anforderungen oder Einflussfaktoren gibt. Sobald es komplexer wird, darf man aber gerne mal über agiles Vorgehen nachdenken.

Im klassischen Projekt beginnt man üblicherweise mit einer schönen, ausführlichen Spezifikation, in der alles beschrieben steht, was man umsetzen möchte. Dann wird fleißig und lange entwickelt, was man in der ersten Phase beschrieben hat, um es dann am Ende als vollständige Lösung nutzen zu können. Im übertragenen Sinne: Ein Spieler steht ganz hinten und beobachtet und plant ausführlich, was vorne passiert, um dann irgendwann den langen Ball nach vorne zu spielen, der lange durch die Luft fliegt und dann – sofern alles so abgelaufen ist, wie er dachte – den Spieler vorne erreicht, der das Tor schießt. Klappt beim Fußball manchmal, kann auch bei Projekten klappen. Was aber, wenn sich zwischendurch etwas verändert? Wenn der vordere Spieler gar nicht in die antizipierte Richtung gelaufen ist, mittlerweile gedeckt wird oder der Ball eine etwas andere Flugkurve nimmt als gedacht? Dann denkt man sich vielleicht, man hätte besser mit kurzen, flexiblen Pässen nach vorne gespielt… und das ist ein Aspekt von Agilität.

Agiles Vorgehen zielt darauf ab, flexibel auf Änderungen und unvorhergesehene Dinge reagieren zu können. So arbeitet Scrum z. B. in sogenannten Sprints (= kurze Entwicklungszyklen), die maximal einen Monat dauern sollten. Am Ende jedes Sprints sollte ein nutzbares und wertstiftendes Ergebnis vorliegen. Nach jedem Sprint kann man sich aber vor allem dafür entscheiden, seinen ursprünglichen Plan auf die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Der Ball fliegt also nicht unendlich lange durch die Luft, egal was auf dem Feld passiert, sondern nur bis zum nächsten freien Spieler. Dieser hat relativ schnell wieder den Ball unter Kontrolle und kann entscheiden, wen er auf dem Weg zum Tor als nächstes anspielt. Und dabei spielt er vielleicht nicht auf direkter gerader Linie nach vorne, sondern sieht, dass links oder rechts ein Mitspieler in deutlich besserer Position steht.

Aus unserer Erfahrung ergeben sich in Software-Projekten häufig Risiken, die nicht von Anfang an planbar sind. Sind die Anforderungen klar verstanden? Stehen die notwendigen Menschen zur Verfügung? Wie sind die technischen Gegebenheiten?

Wir setzen daher immer häufiger auf kurze Bälle, um auf solche Risiken schnell und flexibel reagieren zu können und am Ende nicht nur ein Tor zu schießen, sondern auch das Spiel zu gewinnen.

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